Ein virtueller Rundgang durch unsere Jahresausstellung 2011 in der Haalhalle.
22.10. - 6.11.2011; mi - so 15.00 - 18.00 Uhr mit dem Text der Eröffnungsrede.
Ein virtueller Rundgang durch unsere Jahresausstellung 2011 in der Haalhalle.
22.10. - 6.11.2011; mi - so 15.00 - 18.00 Uhr mit dem Text der Eröffnungsrede.
Jahresausstellung 2011
15 Künstlerinnen und Künstler sind in unserer Jahresausstellung 2011 der Gesellschaft für Kunst Hohenlohe Künstlerbund e.V. zum Motto Spiegelungen mit ihren Werken vertreten.
Ein kommentierter Rundgang.
Spiegelungen.
Verlässt man die Haalhalle und wendet man sich Richtung Kocher fällt einem gleich das Wasser ins Auge. Hall und seine Altstadtkulisse ist eine grandiose Spiegelung im Wasser des Flusses Kocher. Jeder kennt die Tage an denen das Wasser den glatten Spiegel für die Altstadt bietet und auch in der Ausstellung finden sie Exponate dazu.
Wasser als Spiegel diente schon Narziss zur Selbstverliebtheit. Die Dynamik in und um Hall und neue Bereiche wie das Kocherquartier zeugen allerdings von Zukunftsvisionen.
Ein wenig Selbstverliebtheit darf allerdings, ob der grandiosen Spiegelungen der Stadt ruhig aufkommen.
Spiegelungen in der bildenden Kunst sind seit der Renaissance bekannte Bildmotive. Denken wir nur an Albrecht Dürers Selbstportraits. Stolz, selbstbewusst und gelassen blicken wir da in das Konterfeit eines Renaissancekünstlers.
Und viele Jahrhunderte blieb der Spiegel das Medium um das Ego des Künstlers für die Nachwelt festzuhalten. In den unzähligen Selbstportraits begegnen wir herrischen, zaghaften, frivolen, lebenslustigen, optimistischen, selbstzweifelnden und hinterfragenden Künstlerpersönlichkeiten.
Hier in dieser Ausstellung finden sie kein klassisches Selbstportrait mehr. Und doch lässt sich mit ein wenig Schauen, mit ein wenig Gespür erahnen, dass es sich um Selbstportraits im weitesten Sinne handelt. Nur verschlüsselter, in Material und Technik versteckter und teilweise geradezu chiffriert.
Die Materialien sind vielfältig.
Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Materialobjekte, Collage, Zeichnung und Fotomontage umspannen den Rahmen.
15 Künstlerinnen und Künstler und ich möchte die Gelegenheit nutzen sie ihnen kurz ihre Spiegelungen näher zu bringen.
Monika Sigloch benutzt in ihren kleineren Formaten spiegelnden Karton als Malgrund. Sehen wir nun in der Malerei das Bild im Spiegel oder Figuren vor einem Spiegel? Die Situation bleibt ungeklärt, birgt das Geheimnis. Das auf den ersten Blick große, ungegenständliche Bild trägt den Titel "Swimming in June" reflektiert das Wassergefühl in opulenten ungegenständlichen Gesten.
Britta Westholm zeigt uns Bewusstseinszustände. Gezeichnet, gemalt und gestickt. Wer bin ich fragen die Köpfe ihre Spiegelungen.? Welches Spiegelbild ist das meine die Malerei? Material und Motiv werden dabei sparsam aneinander gekoppelt, um dem Inhalt umso sehr viel mehr Freiheit zu geben.
Ellen Eiseles große Holzarbeiten zeigen den vermanschten Baum. Einst Eiche im Garten und nun abgestorben wird das Holz in bearbeiteter Form zur Gedächnisstele. Wer ist oben, über der Erde, wer unten? Private Aussagen, die aber auch verallgemeinert viele ansprechen dürften. Die bearbeitete und bemalte Wurzel schließt das skulpturale Tryptichon. Weiß wie bleich, aber doch auch rein und lebendig ist das Bindeglied zum Jetzt. Denn eine Wurzel ist Anfang und Rückbesinnung.
Wildis Streng zeigt sich im Kontrast dazu eher distanziert. Wir alle kennen die Kaufhaussituation. Rolltreppe, Spiegel und vielfältige Wege. Die Anonymität der Konsumtempel und die splittrige Einsamkeit auf dem nächtlichen Großstadtpflastern ist ihr Thema. Beängstigend starr sind die Situationen, die in uns den Reflex hervorrufen sie mit persönlichen Erlebnissen und Anekdoten abzugleichen.
Auf den ersten Blick könnte man Waltraud Gunters Arbeit als silbernes Kopfkissen rezipieren. Doch die Rettungsdecke und der kreisrunde Spiegel erzeugen Irritationen. Wer liegt/ lag da? Ein genauerer Blick eröffnet kaleidoskopische Anblicke. Ich sehe mich außen. Aber im Spiegel nehme ich zuerst die anderen und die Umwelt wahr. Ganz entgegen dem, was mir der Spiegel normalerweise zeigt. Unwillkürlich beugt man sich weiter vor. Und weiter. Ich muss mich sehr weit vorbeugen, bis ich mich wirklich sehe. Eine geradezu philosophische Arbeit.
Dieter Häussler nimmt malerisch das Kaleidoskop auf. In Aquarell und Acryl lässt er vor uns Räume auftauchen, in denen nichts fix, nicht verbindlich ist. Obwohl malerisch stringent gefasst wandert der Blick ruhelos über diese Facetten. Kühl ist die Farbwirkung mit ihren blau- weiß Tönen. Vertraut und einladend aber in ihrer Vielfältigkeit doch.
Thomas Achters gigantische Leinwände führen uns den blinden Spiegel vor. Zurückgeworfen auf seine Gefühle, auf sein existentielles Selbst steht der Mensch klein vor diesem Bild. Schwarze Löcher werden zum Sog. Vertrautes Rotgeflecht bietet Hilfspunkte. Ein emotionales Auf und Ab im Kosmos organischer Formen verwirrt und zieht zugleich an.
Rosemarie Lux zeigt in ihren sechs übereinander gehängten Querformaten unterschiedliche Blicke aufs Wasser. Landschaftsaussschnitte, die Wasserspiegelungen aufnehmen. Teilweise als Fotographische Aufnahme, teilweise gemalt oder collagiert. Diese Bilder zeigen, dass Abstraktion und auch Abstraktes schon im Wasserausschnitt angelegt sind. Man muss es nur sehen.
Sonja Strengs Spiegelungen beziehen sich auf unser Erinnerungsvermögen und die Wertschätzung dessen. Eine delikat gemalte Spiegelkommode mit entsprechenden Accessoires lädt zum geistigen Film.
Im Ikeazeitalter ist der Raum knapp. Aber haben nicht Mutter oder Großmutter eine solche Spiegelkommode besessen? Zu welchen Rollenspielen reizte sie uns? Welche Erinnerungen, Schätze und Kinderspiele stecken darin? Welche rosa Träume träumten wir? Einem Altartryptichon gleich sind die zarten Zeichnungen rechts und links beigestellt. Wie Engel der Erinnerung.
Christa Schmid-Ehrlingers beide Bilder sind dazu geradezu ein Kontrastprogramm. Klar umrissen und in prunkvollem Silber glitzernd geben sie den Glanz auf Distanz. Bei näherer Betrachtung aber werden schwarze Lineaturen zu Sprungfedern, oder Ritzungen, Verletzungen. Hier wird mit hintersinnig, witziger Ironie der schöne Schein, die Spiegelung hinterfragt.
Herma Walters Arbeiten auf der Empore zeigen Links die Spiegelung im wörtlichen Sinne. Gleiches Format, identische Materialien und doch zwei Unikate. Man muss schon genau hinsehen. Die Fotografien vom zarten Gespinst der Spinnweben nun vier mal angeordnet heben das bloße Abbild in einen neuen Kontext. Vervielfachung und Anordnung machen aus diesen organisch fragilen Ausgangsbildern eine neue, strenge, fast sakrale Architektur rund um das Mittage Kreuz.
Martin-Ulrich Ehrets Metier ist das Holz. Zwar materiell auch, denn der Rahmen ist aus solchem und auch die Leinwände des Malers spannen sich über dieses Material. Aber es ist weit mehr für ihn. Es ist dazu noch Muße und Inspiration. Hier dem kontemplativen Blick des direkten Gegenübers beraubt muss sich der Betrachter in Bewegung setzten. Zwei Seiten gilt es zu betrachten. Sind das Spiegelungen? Nimmt man Ganzheit und Ausschnitt gilt das schon. Der genaue Blick auf das Detail ist hier gefragt.
Hans-Jürgen Küblers hinterleuchtet und bearbeitete schwarz/weiß Fotografien auf Transparentpapier sind auch keine Portraits im klassischen Sinne. Denn gerade das Gesicht, der Focus des Portraits sind unscharf, unkenntlich gemacht. Der Impetus liegt also auf den Haltungen und auf präzisen Gesten. Bekannte, irritierende, komische oder vertraute Haltungen werden durch Schichtungen und Durchleuchtung zum Spiegelbild, zum Gesellschaftsfilm auf einer reduzierten menschlichen Bühne.
Hedwig Solve Maier arbeitet mit Fotografie und Collage. Ihr Fries oben über der Eingangswand zeigt links überaus malerische Fotografien des Kochers. Ausschnitt und Farbigkeit sind dabei so delikat gewählt, dass das Originalmotiv hinter eine gesteigerte Raffinesse tritt. Ihre Collagen zum Thema Spiegelungen zeigen dazu ihre langjährige Thematik in der Auseinandersetzung mit der Kirche St. Michael, der Stadt Schwäbisch Hall und vielfältigen Assoziationen.
Enden möchte ich mit den Arbeiten von Hermann Kraus. Vordergründig geht man dabei auf Fotografien zu. Aber diese Bilder sind der Realität enthoben. Spiegelnde Großstadtszenarien die irgendwie vertraut aber doch nicht greifbar erscheinen. Es ist die Reminiszenz von Spiegelungen. Es sind traumgleiche Erinnerungssplitter an Vertrautes, Gesehenes und eigentlich Bekanntes. In ihrer Abwandlung werden sie aber zu Chiffren, zu Archetypen von dem was uns allzu bekannt erscheint.